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Was macht Gott mit meinen Gebeten

Und was mit den Gebeten, die er nicht erhört?

Gott bitten. Das fällt mir meist ein, wenn ich an eine Grenze komme. Ich bete zwar nicht mehr, wenn ich aus Nachlässigkeit mit einer Aufgabe nicht fertig werde, den Zug zu verpassen drohe, mir eine Abfuhr eingeholt habe, weil ich zu egoistisch war. Aber irgendwie soll Gott schon seinen Einfluss geltend machen. Mein Leben soll doch gelingen und Gott müsste auch etwas dafür tun.

Ich stoße nicht nur an meine eigenen Grenzen. Oft sind es andere Menschen, von denen ich etwas erwarte, die mir etwas versprochen haben, aber nicht „liefern“. Sie sollen meine Erwartungen erfüllen, etwas tun, für mich Probleme lösen, mich überhaupt akzeptieren. Meine Erwartungen werden oft genug nicht erfüllt. Gott hat doch mehr Möglichkeiten, auf Menschen einzuwirken. Schließlich die Ausbreitung des Evangeliums. Wir haben bereits von Jesus den Auftrag, in unserem Umfeld seine Botschaft einzupflanzen.

Hat Gott nicht mehr Einfluss auf die Menschen?
Aber prallt nicht so vieles  der Hetze ab. Hat nicht jeder von uns zu wenig Zeit? Ohne Zeit kann der andere nichts tun. Wenn er, wenn sie keine Zeit haben, dann ist eben nichts. Ist nicht auch für Gott die innere Unruhe, die Verzagtheit von uns eine Grenze? Wenn jemand von einer tiefen Unzufriedenheit besetzt ist und deshalb andere, darunter auch ich, unter seinem Unwillen leiden. Wäre es nicht besser, wenn dieser Mensch von seiner Unzufriedenheit loskäme? Hat Gott da nicht Mittel und Wege, um solche Menschen umzustimmen?

Wenn Jesus Gottes Sohn ist, dann müsste man doch an ihm ablesen können, wie es geht. Tatsächlich hat er die Menschen angezogen. Sie merkten, dass er anders predigte als die damaligen Theologen, die man bei den Juden Schriftgelehrte nannte. Dann die Heilungen. Die kann man wohl nicht wegdiskutieren. Die Menschen ließen sich beeindrucken. Aber am Ende hat ihm das alles nichts geholfen. Sie wollten ihn am Kreuz sehen. Irgendetwas muss er gemacht haben, so dass die große Zustimmung in Hass umgeschlagen ist. Wenn ich mich mit meinen Bitten neben Jesus stelle, dann wirken die doch etwas einfältig und egoistisch. Oft will ich doch nur, dass meine Vorhaben klappen. Aber er wollte ja, dass sich grundsätzlich etwas ändert. Die Menschen sich auf das Reich Gottes einlassen.

Beten ist wie die Pflanzen Gießen
Ich könnte jedoch davon ausgehen, dass Gott nicht locker lässt. Auch wenn die Menschen seinen Messias abgelehnt haben, hat er ja nicht aufgegeben. Über die Jahrhunderte hinweg hat Jesus immer wieder Menschen überzeugt. Sogar sein Geist ist spürbar. Wenn aus den Evangelien vorgelesen wird, springt ein Funke über. Meditieren Menschen Passagen aus der Bibel, dann  kommt Jesus nicht selten erstaunlich zur Wirkung.

Es geht nicht und doch geht es. Muss ich nicht genau in diese Lücke mit meinem Gebet. Also das Gebet nicht als Hebel einsetzen, um etwas zu bewirken. Schon gar nicht, um etwas zu erzwingen. Sondern die Möglichkeiten sehen. Dann wäre Beten wie das Gießen im Garten. Ein Samenkorn hat das Potential für eine Bohne, aus einem Kern kann ein Kirschbaum werden. Ohne Gießen würde die Pflanze verkümmern oder sogar eingehen. Jedoch auch mit Gießen kann der Samen nicht keimen, die Pflanze es nicht schaffen. Der kleine Stamm, der aus dem Kirschkern gewachsen ist, muss veredelt werden.

Bittgebet – sich an die Seite Gottes stellen

Ich muss wohl früher mit dem Beten anfangen. Den Boden bereiten. Gott hat sich ja auch mit mir viel Zeit genommen, hat die Geduld nicht verloren. Aus wie vielen Samenkörnern, die er in mein Beet gesenkt hat, ist nichts geworden.

Es bleibt dann aber noch eine Enttäuschung. Ich habe für einen Kranken gebetet und er ist trotzdem seiner Krankheit erlegen. Das ist doch Natur. Jesus hat Menschen geheilt, sogar aus dem Tod zurückgeholt. Warum jetzt nicht. Dieser Mensch war für seine Familie unentbehrlich, er hätte noch so viel Gutes tun können.

Noch schlimmer die Kriege. Wieviel Beter haben zu Gott gefleht. Auch Gott konnte die Kriegstreiber nicht von ihrem Hass lösen. Sie halten sich weiter für berechtigt, andere umzubringen.

Für die, die ihrer Krankheit erliegen, kann ich beten. Ihnen steht ja der Himmel offen. Vielleicht haben sie ihren Lebensauftrag sogar erfüllt und können „gehen“. Beten müsste ich eher für die, die ohne die Verstorbene auskommen müssen.

Doch die Kriege. Wir spüren unsere Ohnmacht, sie einzudämmen. Selbst Flugzeugträger, neueste Panzer und Streubomben sind ohnmächtig gegen den Hass, der die Kämpfer vor sich her treibt. Für den Hass braucht es nicht viel, er lässt sich allein mit Worten aufstacheln. Wie schwer ist es, die Menschen davon wieder zu befreien. Offensichtlich kommt Gott hier auch an eine Grenze. Was will er auch tun, wenn Attentäter in seinem Namen handeln. Er setzt ja keine Machtmittel ein, weil er offensichtlich den Hass verändern will, dass Menschen jedes Leben für so wertvoll halten, dass sie Krankenhäuser, Behinderteneinrichtungen, Altenheime bauen, ihre wirkliche Bestimmung erkennen, den anderen Leben zu ermöglichen, dass jeder Mensch seinen Beitrag für das Gemeinwohl leisten kann. Bittend beten würde dann heißen, für die Überwindung von Hass und Verachtung beten. Welches andere Mittel gäbe es dafür als das Gebet. Ich muss mich an die Seite Gottes stellen, um seine Methodik zu übernehmen. Ich soll ihm also nicht einfach die von uns Unerledigten Projekte „rüberreichen“, sondern betend mitarbeiten, dass aus Widerstand Offenheit, aus Hoffnungslosigkeit Tatkraft, aus Enttäuschung Wachstum, aus Hass Würde wird.

Eckhard Bieger