- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4:
Über das Beten.- 4.1:
Schweigen. - 4.2: Beten lernen.
- 4.3: Mystik.
- 4.1:
- 5: Beten konkret.
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Schweigen
Stille, Gebet und Gesundheitsreform
Der dänische Religionsphilosoph und Christ Sören Kierkegaard, schreibt einmal: „Wenn ich Arzt wäre und mich einer fragte: ‚Was meinst du, muss getan werden?’, so würde ich antworten: „Das erste, was getan werden muss, und die unbedingte Voraussetzung dazu, dass überhaupt etwas getan werden kann, ist: „Schaffe Schweigen! Gebiete Schweigen! Gottes Wort kann ja nicht gehört werden, und wenn es mit Hilfe lärmender Mittel geräuschvoll hinausgerufen wird, damit man es auch im Getöse hören kann, so bleibt es nicht Gottes Wort. Schaffe Schweigen!!“
- Kann man sich diesem Urteil nicht weitgehend anschließen? Wir werden von einer Sintflut von Informationen weggeschwemmt. Hörkrankheiten wegen Reizüberflutung nehmen sprunghaft zu. Wenn wir leiser, stiller würden, wäre dies nicht einer der wichtigsten Beiträge zu Gesundung, für die Beziehungskultur und für die Gottesbegegnung?
Ich hörte auf die Stille
Der geschätzte geistliche Schriftsteller Henry Nouwen wurde in Deutschland durch eines seiner frühen Bücher bekannt: „Ich hörte auf die Stille“. Er hatte sich aus seiner universitären Laufbahn für eine längere Zeit zurückgezogen in ein Kloster, - um auf die Stille zu hören. Dies brachte ihm eine große geistliche Vertiefung. Wie und wann kann ich lernen, auf die Stille und ihre Wirkkraft zu lauschen? Immer dann…
• wenn ich anfange jemanden im Gespräch zuzuhören und ihn nicht einfach „zutexte“ mit meinen Erlebnissen, Ideen, Projekten und Neuigkeiten…
• wenn ich irgendwo mitten im Lärm sitze und die Stille unter den Geräuschen zu erlauschen suche;
• wenn für mich das Geräusch von Pappelblättern mindestens so interessant wird wie der Straßenlärm;
• wenn ich auf dem Heimweg fünf Minuten in eine nahe gelegene Kirche gehe oder auf einer Parkbank ein wenig sitzen bleibe;
• wenn ich zwischendurch eine kleine Atempause mache;
• wenn ich nachts nicht schlafen kann und, statt mich zu ärgern, auf die Stille der Nacht lausche
Schweigen als Atemraum des Gebetes
Alle Religionen pflegen das Schweigen. Es ist der Atemraum des Betens. Nicht umsonst geschehen Exerzitien im Schweigen, in der Stille. Wer daran teilnimmt erfährt, dass von der Stille eine heilende, reinigende, vertiefende, befriedende und befreiende Kraft ausgeht.
Eine Kultur der Stille gilt nicht nur für Exerzitien, sondern auch für das alltägliche Leben und Beten. Was kann ich tun, um eine Kultur der Stille im Leben und Beten Raum gewinnen zu lassen? Einige Tipps und Fragen dazu:
• Fragen Sie sich, wann eine einigermaßen ungestörte Zeit ist.
• Entfernen Sie optischen Belästigungen, z.B. Briefberge, aus Ihrem Blickraum:
• Lausche, Sie auf das Einströmen und Ausströmen Ihres Atems.
• Wecke Sie in sich die Einstellung: Störungen sind nicht schlimm.
• Wenn Gedanken und Bilder und Ideen kommen – sie kommen und gehen lassen.
• Ein fester Ort, ein gleich bleibendes Lieblingsgebet zu Beginn, die Bitte um Gottes Geist, können helfen, mehr in die Stille zu kommen.
Und: Wer sich auf die Suche begibt, der wird selber finden, was für die Stille förderlich ist.
Vielleicht kann ein etwas böser Witz ein Hinweis für Stille als Voraussetzung für das Gebet sein. Vor dem Scheidungsrichter beklagt sich eine Frau lauthals, ihr Mann habe seit zehn Jahren kein Wort mit ihr gesprochen. Der verschüchtert wirkende Mann gibt dies zu, mit der Erläuterung: „Herr Richter, ich wollte meine Frau nicht unterbrechen…!“
Könnte Gott nicht sagen: Du beklagst Dich, dass ich nicht rede und dabei schreist Du mir die Ohren mit Deinem ununterbrochenen Fragen und Bitten und Klagen und Deinen Lobpreisungen zu! Du bist so schwer zu unterbrechen! Und dabei besingst Du doch sehnsüchtig und stimmungsvoll an Weihnachten „die stille und heilige Nacht“. Lass Dir doch die Erfahrung des Psalmisten schenken: „Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.“ (Psalm 131, 2)
Willi Lambert SJ
