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Nach einem Tag, der von morgens bis abends mit Gesprächen gefüllt gewesen war, sagte spätabends, nachdem der letzte gegangen war, ein Priester besorgt zu Pater Kentenich:

Kentenich, jetzt haben Sie den ganzen Tag den Menschen Ihre Zeit geschenkt und selbst keine Minute zum Beten gehabt!“

Pater Kentenich antwortete: „Machen Sie sich keine Sorge. Ich habe den ganzen Tag über Gott in den Herzen dieser Menschen angebetet.“

„Maria schließt nicht nur für Gott und das Göttliche auf, sondern ebnet auch den Weg zu Anerkennung menschlicher Würde und Sendung.“
Josef Kentenich

Mystik des Gesprächs

Hinhören und Nachfragen

In Jericho traf Jesus den blinden Bettler Bartimäus (Mk 10,46-52). Als der hörte, dass Jesus käme, schrie er aus Leibeskräften: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Jesus weiß um den sehnlichen Wunsch des Mannes, sehend zu werden, fragt ihn aber dennoch: „Was soll ich dir tun?“
So geht es in vielen Begegnungen Jesu mit bedürftigen Menschen. Er hört sozusagen in ihr Leben hinein, in ihre Sehnsucht und in ihre Wünsche. Er lässt die Menschen selbst formulieren, was ihnen wichtig ist und was sie zum Leben brauchen.
Aus dieser Art des Umgangs mit den Menschen spricht Wertschätzung und Einfühlungsvermögen. Jesus nimmt die Menschen ernst, hört aus ihren Worten auch das heraus, was sie nicht sagen können. Er erweist sich nicht nur als Therapeut des Leibes, sondern auch der Seele. Der tiefste Grund für diesen Umgang mit den Menschen liegt darin, dass Jesus in der Geschichte und in den Wünschen der Menschen den Schrei nach mehr Leben, letztlich nach Gott, spürt.

Begegnung im Gespräch

In der Nachahmung Jesu kann jedes Gespräch zu einer Begegnung mit dem Gott des Lebens werden. Wenn zwei Menschen miteinander sprechen, also nicht nur Smalltalk betreiben, dann geben sie etwas von ihrem Leben preis, jeder vertraut dem anderen Erfahrungen, Lebensvorstellungen und Lebensträume an. Das ist mehr als nur Information. Da spielt wechselseitiges Vertrauen, Hochachtung und die Erwartung eine Rolle, Teilnahme, Mitgefühl, Mitfreude oder Mitsorge geschenkt zu bekommen. Pater Kentenich,der Gründer der Schönstattbewegung, nennt es etwas Wunderbares und Geheimnisvolles, „dass Menschen Menschen überhaupt verstehen können, dass Menschen innerseelische Strömungen hinüberfließen lassen können in andere Menschen und wie ein Mensch unbewusst andere Menschen erwärmen kann“.
Und weil Gott das Leben führt und begleitet, darf ich in alle dem seine Nähe, seine Gegenwart, sein Mitgefühl und seine Sorge vermuten, ahnen, suchen und finden.

Gott, der anwesend ist, anbeten

Darum ist jeder Mensch letztlich ein „Sakrament“ der Führung und Liebe Gottes, ein heiliges Zeichen, ein Geheimnis, ein Mysterium.
Paulus schreibt in 1 Kor 3,16-17: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.“
Wenn das nicht nur eine metaphorische Rede, sondern ernst gemeint ist, dann ist es angemessen, „würdig und recht“ (wie es in jeder Präfation der Eucharistiefeier heißt), in dem Menschen, der mir begegnet und mit dem ich ins Gespräch komme, die Anwesenheit Gottes anzubeten.