- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5: Beten konkret.
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10:
Mechthild von Magdeburg.- 10.1:
Kraft des Gebetes. - 10.2: Um die Wahrheit bitten.
- 10.3: Religiöse Biographie.
- 10.4: 14 Tipps für ein christliches Verhalten.
- 10.5: Über das Stundengebet.
- 10.6: Gespräch mit Gott.
- 10.7: Gebet zu Maria.
- 10.8: Das Tagebuch.
- 10.9: Geistlicher Ratgeber.
- 10.10: Mechthilds Herkunft.
- 10.11: Ihr letztes Gebet.
- 10.1:
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Mechthild von Magdeburg wurde um 1207 oder 1208 geboren. Sie war bis zu ihrem 63. Lebensjahr Begine in Magdeburg, dann trat sie 1270 in das Zisterzienserinnenkloster in Helfta ein. Sie wurde die Lehrerin der Gertrud von Helfta. In Helfta schrieb sie das 7. Kapitel ihres Buches. Wahrscheinlich 1294 starb sie mit etwa 86 Jahren.
Ihr in Tagebuchform geschriebenen Aufzeichnungen sind in niederdeutschem Dialekt geschrieben. Diese Handschrift ist verloren gegangen. Im Kloster Einsiedeln hat sich eine oberdeutsche Übersetzung erhalten, die erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurde.
Mechthild war bereits 43 Jahre alt, als sie mit dem Schreiben begann. Ihr Seelenführer, der Dominikaner Heinrich von Halle hatte ihr dazu Mut gemacht. Sie hat damit sprachlich Pionierarbeit geleistet, denn die Theologen der damaligen Zeit schrieben in Latein. Erst hundert Jahre später werden die deutschen Predigten des Meisters Eckart in deutscher Sprache protokolliert. In Helfta hat sie ihren Aufzeichnungen ein 7. Buch hinzugefügt.
Kraft des Gebetes
Vom zehnfachen Nutzen des Gebetes eines guten Menschen
Das Gebet hat große Kraft,
das ein Mensch vollbringt mit aller seiner Macht:
Es machet ein bitteres Herz süß,
ein trauriges Herz froh,
ein armes Herz reich,
ein törichtes (tumbes) Herz weise,
ein zaghaftes Herz kühn,
ein kraftloses Herz stark,
ein blindes Herz sehend,
eine kalte Seele brennend.
Es zieht hernieder den großen Gott in ein kleines Herz,
es treibt die hungrige Seele hinauf zu dem Gott der Fülle,
es bringt zusammen die zwei Liebenden, Gott und die Seele,
an einen wonniglichen Ort,
da sprechen sie viel von Liebe.
O weh, ich unglückseliger Sack,
das deshalb, weil ich nicht sterben kann!
Das Fließende Licht der Gottheit, Buch V, Kapitel 13
Beten heilt. Es heilt das Herz des Menschen und bringt seine erkaltete Seele wieder zum Brennen, das heißt wieder zurück zur leidenschaftlichen Liebe zu Gott- das ist mit „brennender und hungriger Seele“ gemeint. Im Beten, in das alle menschliche Kraft einfließen soll, „mit aller seiner Macht“, kommt Gott dem Menschen ganz nahe, ja, er füllt den Beter ganz aus. Das Herz wird als Symbol des Menschen verstanden. Unwiderstehlich nimmt Gott die Seele zu sich auf, er „treibt sie hinauf“. An einem nicht näher beschriebenen Ort, der aber voll Wonne, voll Glückseligkeit ist, kommen Gott und die Seele, deren Verhältnis Mechthild als Liebesbeziehung beschreibt, zusammen. Im Beten kann also eine mystische Vereinigung mit Gott geschehen, eine „unio mystica“. Diese dauert aber „nicht ewig“, deshalb bedauert Mechthild am Schluss, nicht sterben zu können – im Sterben nämlich geschähe der Übergang in das ewige Liebesverhältnis mit Gott.
Helmut Zimmermann