- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5: Beten konkret.
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10:
Mechthild von Magdeburg.- 10.1: Kraft des Gebetes.
- 10.2: Um die Wahrheit bitten.
- 10.3: Religiöse Biographie.
- 10.4: 14 Tipps für ein christliches Verhalten.
- 10.5: Über das Stundengebet.
- 10.6: Gespräch mit Gott.
- 10.7: Gebet zu Maria.
- 10.8: Das Tagebuch.
- 10.9:
Geistlicher Ratgeber. - 10.10: Mechthilds Herkunft.
- 10.11: Ihr letztes Gebet.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Geistlicher Ratgeber
Heinrich von Halle
Der Dominikanerpater Heinrich von Halle spielt beim Zustandekommen von Mechthilds „Fließendem Licht der Gottheit“ eine entscheidende Rolle. Doch auch er war zunächst skeptisch, was er von ihren Visionen halten solle. Er wunderte sich über Mechthild Berichte. Das kann aus Mechthilds beiden Anfangssätzen herausgelesen werden, mit denen sie das Kapitel 12 in Buch V „Wie Gott einem Bruder über das Geschriebene in diesem Buch antwortet“ einleitet. „Meister Heinrich, euch wundern einige Worte, die in diesem Buche geschrieben sind. Mich wundert, wie euch das verwundern kann.“ Was Mechthild sozusagen selbstverständlich ist, gibt Heinrich von Halle Rätsel auf. Er scheint vieles an Mechthilds Buch nicht zu verstehen. Bestätigt wird diese Annahme durch eine vor diesem Kapitel stehenden handschriftliche Zusatz der lateinischen Übersetzung: „Bruder Heinrich, genannt von Halle, Lektor von Ruppin, der über Reden und Schreiben der Schwester Mechthild staunte, erhielt von ihr diese Antwort.“ Wahrscheinlich geht es um das Problem, das von Mechthild Geschaute adäquat zur Sprache zu bringen. Mechthild nämlich fährt fort: „Aber es quält mich sehr von Herzen, seit dem Male, dass ich sündige Frau schreiben muss, dass ich die wahre Erkenntnis und die heilige, herrliche Anschauung niemandem beschreiben kann außer mit diesen Worten allein; sie kommen mir gegenüber der ewigen Wahrheit als viel zu klein vor.“ Dass sie dennoch nichts Unsinniges geschrieben hat, macht die abschließende Passage deutlich, in der sie den Heiligen Geist anruft und von ihm diese Antwort erhält: „Frage ihn, wie das geschah, dass die Apostel in so große Kühnheit kamen, nach so großem Kleinmut, als sie den Heiligen Geist empfingen. Frage weiter, wo Moses denn war, als er nichts als Gott sah. Frage noch weiter, von was es kam, dass Daniel in seiner Kindheit sprach.“ Mechthild „argumentiert“ hier gegenüber Heinrich von Halle mit dem Heiligen Geist, der ihr mitteilt, dass die Genannten ihre Kraft und Gewissheit vom ihm erhielten – so wie sie, ist damit unausgesprochen mitgemeint.
Am Ende dieses Kapitels wird in der lateinischen Fassung in einem Zusatz das Mitwirken Heinrichs von Halle an Mechthilds Buch zusammengefasst. „Dieser gelehrte und tugendhafte Mann, oben erwähnter Lektor, sammelte alle Schriften und fasste sie zu einem Band zusammen, den er in sechs Bücher einteilte, wie er den Lesern nun vorliegt. Schwester Mechthild, die ihn überlebte, sah seine Seele vor dem Angesichte Gottes im Himmel, mit dem Buch in der Hand, wie er über die strahlende Glückseligkeit Gottes frohlockte. Denn großer Lohn wurde für die Niederschrift dieses Buches, das ihm in Gegenwart der Heiligen Ruhm einbrachte.“
Mechthild war Heinrich von Halle für sein Mitwirken an ihrem Buch sehr dankbar. Sie selbst aber kann ihm nicht den gebührenden Lohn dafür geben. Den erbittet sie von Gott, bei dem sie in Fürbitte für „den Schreiber“ des „Fließenden Lichtes der Gottheit“ einlegt.
„Eya Herr, ich seufze und begehre und bitte für deinen Schreiber, der das Buch nach mir geschrieben hat, dass du ihm auch die Gnade zum Lohn geben wollest, die noch niemals einem Menschen verliehen wurde; denn, Herr, deine Gaben sind tausendmal mehr als die deiner Geschöpfe, die sie empfangen können.“ Da sprach unser Herr: „Er hat es mit goldenen Buchstaben geschrieben, deshalb sollen alle Worte dieses Buches an seinem obersten Kleide ewig offenbar sein in meinem Reich, geschrieben mit himmlischem leuchtenden Gold über all seinem Schmuck, denn die freie Liebe muss stets das Höchste an den Menschen sein.“
Buch II, Kapitel 26 im „fließenden Licht der Gottheit“
Mechthild erbittet für Heinrich von Halle, der hier zwar nicht namentlich genannt, aber gemeint ist, himmlischen Lohn für seine Mitwirkung am Zustandekommen ihres Buches: Er hat es „geschrieben“, das heißt, nach ihren Anweisungen zu Papier gebracht. Gott verheißt ihm den erbetenen Lohn, denn Heinrich hat es „mit Gold“ geschrieben, wobei Gold die Farbe Gottes ist. So weist er nochmals darauf hin, dass alle Worte des „Fließenden Lichtes der Gottheit“ von ihm, von Gott, stammen. Deshalb leuchten sie über allem anderen Schmuck, den Heinrich sonst noch trägt. Im Himmel leuchtet allein Gottes Wort.
Heinrich von Halle war seit etwa 1246 Lektor von Kloster Neuruppin, das von Wichmann von Arnstein gegründet worden war, zog aber, nachdem im Jahre 1271 ein Dominikanerkloster in Halle gegründet worden war, in dieses. Neben seiner theologischen Begleitung Mechthilds von Magdeburg nahm er um 1290 noch die Begutachtung des ersten Buches der „Insinuationes“ von Gertrud von Helfta (Gertrud der Großen) vor. Er war ein angesehener Theologe und stand gegen Ende seines Lebens unter anderen mit dem Dominkanerpater Dietrich von Apolda aus Erfurt in Verbindung, der Biographien des Ordensgründers Dominikus und Elisabeths von Thüringen verfasste. Heinrich von Halle starb um 1294. Er hatte eine Schwester, Oda, die wahrscheinlich im Umkreis von Mechthild als Begine gelebt hat. Heinrichs bleibende Bedeutung liegt aber in der Redaktion von Mechthilds „Fließendem Licht der Gottheit.“ Dabei tat er sich, wie bereits angeklungen ist, zunächst schwer mit den von Mechthild aufgeschriebenen Visionen und Gotteserfahrungen, ehe er sich darauf einließ.
Helmut Zimmermann
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