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(c) Katholische Kirchengemeinde St. Mechthild, Magdeburg



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14 Tipps für ein christliches Verhalten


Es sind auch 14 Zugänge zum Gebet.

Wie du dich in vierzehn Dingen verhalten sollst

Wenn du betest, sollst du demütig sein.
Wenn du beichtest, sollst du wahrhaftig sein.
Wenn du Buße tust, sollst du fleißig sein.
Wenn du issest, sollst du genügsam sein.
Wenn du schläfst, sollst du geordnet sein.
Wenn du alleine bist, sollst du getreu sein.
Wenn du bei den Menschen bist, sollst du weise sein.
Wenn man dich gute Sitten lehrt, sollst du folgsam sein.
Wenn man deine Nichtigkeit tadelt, sollst du geduldig sein.
Wenn du etwas Gutes tust, sollst du dich selber für armselig halten.
Wenn du Übles tust, sollst du sogleich Gnade suchen.
Wenn du eitel bist, sollst du dich fürchten.
Wenn du traurig bist, sollst du große Zuversicht zu Gott haben.
Wenn du mit den Händen arbeitest, sollst du sehr rasch sein;
Dann kannst du böse Gedanken vertreiben.

Das fließende Licht der Gottheit, VI, 12
 

Mechthild gibt hier vierzehn Tipps, wie man vielerlei Anfechtungen, das sind „böse Gedanken“ auf dem Weg zu Gott, widersteht. Indem sie das „dann“ der Sprachfigur „wenn – dann“ weglässt, hebt sie die erforderliche Handlungsweise des Menschen besonders hervor. Dabei bleibt sie nicht in allgemeinen Formulierungen stecken, sondern spricht mit dem „du“ den Leser persönlich an. Genau an ihn sind diese Verhaltensregeln gerichtet. Mechthild appelliert an Einsicht und Verstand (du „sollst“), sich in konkreten Situationen in einer ganz bestimmten Weise zu verhalten. Diese vierzehn Situationen sind „mitten aus dem Leben“ gegriffen, wobei sie nicht umsonst das Verhalten beim Beten, Beichten und Buße tun an erste Stelle setzt: Es sind die christlichen Verhaltensweisen schlechthin, die jedoch auch in ihrem Sinngehalt durch mangelnde Aufmerksamkeit bedroht sind. Dann wendet sie sich alltäglichen Dingen zu – essen, schlafen, allein sein –, geht weiterhin auf das Sozialverhalten, konkret „bei den Menschen sein“, gute Sitten, Gutes und Übles tun, ein, und komm zuletzt wieder auf den Einzelnen zurück: eitel sein, traurig sein, arbeiten. Das von Mechthild empfohlene Tun richtet sich im ersten Satzteil immer auf ein bestimmtes Verhalten und summiert sich in allen „du sollst“-Ratschlägen zusammengenommen zu einem Katalog des richtigen Lebens vor Gott. Nicht umsonst hat Mechthild das Arbeiten, die Hauptbeschäftigung des Menschen, an die letzte Stelle dieser vierzehn Dinge gesetzt: Wer rasch arbeitet, dem kommen keine „böse Gedanken“, der Ursprung alles Schlechten, in den Sinn, sie können keinen Platz finden, ist man ganz auf die Sache konzentriert. Alle diese Situationen fördern die Grundhaltungen des Gebets.

Helmut Zimmermann

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