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Pausen zum Beten


Pausen – fast pausenlos

Es gibt bzw. gäbe so viele Pausen und „Päuschen“ in unserem Leben, wenn wir mehr darauf achten würden: Beim Aufwachen, unterwegs in der Straßenbahn; beim Gang vom Zimmer zum Kopierraum; ja in einem Gespräch selber, wenn ich eine kurze Denkpause einlege. Da kann man einfach atmen, durchatmen, aufatmen sich innerlich frei schütteln und auch einen Gebetswunsch, wenn er aufsteigt, da sein lassen: „Lass mich jetzt offen sein und meine Angst überwinden!“ usw.
Man kann – beispielsweise – probieren


-    Beim Aufwachen mal wahrnehmen, wie ich mich denn so fühle, was mir durch den Kopf geht;  mich einstellen auf den Tag, für den gilt: „Denen, die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum  Besten.“ (Römerbrief 5,5)

-    Während der 20 Minuten Straßenbahnfahrt kann ich ein geistlich erfrischendes Buch lesen. Es gibt so viele „Jahrbücher“ mit kleinen Texten für jeden Tag. Die dann ein wenig nachklingen und im eigenen Denken und Herzen verrauschen lassen. Warum nicht?

-    Nicht während des Auflegens des Telefonhörers schon mit der rechten Hand zu schreiben anzufangen, sondern vielleicht dem Telefonpartner innerlich einen guten Wunsch nachschicken.

-    Vielleicht in einer Kirche, die auf dem Nachhauseweg liegt oder einer Parkbank eine 3-Minuten-Pause machen.

-    Beim Weg zum Kopierapparat oder beim Warten bis die 35 Kopien ausgedruckt sind, innerlich aufatmen und nicht einfach das Beschäftigungs-Denkrad-weiterlaufen lassen.

-    Ein einfaches, dankbares Gebet vor/nach dem Essen sprechen mit den andern oder beim langsamen Hinsetzen am Kantinentisch.

-    Und… und… und… - Wer sucht wird finden. Weit mehr als gedacht!
Wer sich auf die geistliche Kultivierung von Pausen einlässt, wird erfahren: Pausenlos leben kann nur, wer Pausen macht.


„Wenn das rote Meer grüne Welle hat“

Eines der inzwischen nun auch schon älteren „neueren Lieder“ trägt als Überschrift: „Wenn das rote Meer grüne Welle hat“. Angespielt wird dabei auf die Rotampelsituation, wie Israel auszieht und vor dem Schilfmeer steht, dem „Roten Meer“. Wunderbarerweise finden sie dann doch einen Weg durch die unwegsamen Wasser. Das rote Meer wurde zur „grünen Welle“. Wie dies ganz praktisch aussehen kann, zeigt sich im Erlebnis eines Mannes, der versuchte sein Pausenverhalten zu kultivieren. Er berichtete, wie er täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr. Dabei kam er immer zu einer Ampel, die nach seinem Erleben natürlich überdurchschnittlich oft und überdurchschnittlich lange auf „ROT“ stand. Daher nahm er immer eine kleine Abkürzung, die allerdings den Nachteil hatte, dass er auf einem Weg fuhr, der eigentlich nur für Kinder als Fußweg zur Schule vorgesehen war. Vor allem die rückkehrenden Mütter hätten ihn böse angeschaut. Aber er nahm das der Abkürzung zuliebe in Kauf. Seit einiger Zeit fahre er wieder auf der normalen Straße und halte, wie vorgeschrieben, bei ROT. Er nehme dies als gottgegebene Pause: „Herr, ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, hier zu halten. Danke, dass Du mir da eine unvorgesehne kleine Pause gibst…“!


Die Pausen Jesu

Auch Jesus hat Pausen gemacht, nicht an einer Rotampel, aber immer, wenn es ihm geboten schien. Er hatte zwar, wie es heißt, manchmal nicht einmal Zeit zum Essen. Dann steht aber auch geschrieben, dass er immer wieder einfach nicht zu finden war – er sei auf dem Berg, um zu beten; nur dies konnten die Jünger zur Auskunft geben. Auch sie selber lud er immer wieder ein mit ihm eine Zeit zu nehmen, zum Ausruhen bei ihm und zur Reflexion ihres Lebens und Tuns (vgl. Matthäus, 11, 28-30).

Willi Lambert S.J.