- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5:
Beten konkret.- 5.1:
Morgengebet. - 5.2: Spaziergangs-Beten.
- 5.3: Abendgebet.
- 5.4: Körper-Haltungen.
- 5.5: Herz ausschütten.
- 5.6: Pausen zum Beten.
- 5.7: Stille.
- 5.8: Beten im Aufwind.
- 5.9: Der Geist in uns.
- 5.10: Seelen-Nebel-Gebet.
- 5.11: Seufzend beten.
- 5.12: "Handlicher Gott".
- 5.13: Bibel 1.
- 5.14: Bibel 2.
- 5.1:
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Pierre Griolet aus:
„Alle Morgen der Welt hüpfen aus deiner Hand. Alle Abende der Welt bergen sich in deiner Hand. Oft bist du der einzige der sagt: ES IST ALLES GUT.“
Dag Hammarskjöld
Diese Haltung drückt sich in einem Text von Dag Hammarskjöld, dem ehemaligen UNO-Generalsekretär, aus: „Jeder Tag ist der erste. – Jeder Tag ein Leben. Jeden Morgen soll die Schale unseres Lebens hingehalten werden, um aufzunehmen, zu tragen und zurückzugeben. Leer hinreichen – denn was vorher war, soll sich nur spiegeln in ihrer Klarheit, ihrer Form und ihrer Weite.“
Luthers Morgensegen
Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sie mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.Alsdann mit Freuden an dein Werk gegangen und etwa ein Lied gesungen oder was dir deine Andacht eingibt.
Martin Luther
Von Joachim Ringelnatz
Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften
Aus meiner tiefen Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.
J.R.
Morgengebet
Erste Gedanken
„Morgenstund hat Gold im Mund…“ Wirklich? Oder gilt öfters: „Ich fühle mich wie gerädert!“; oder pessimistisch-ironisch „Was soll aus dem Tag schon werden, wenn er mit dem Aufstehen anfängt?!“
- Es kann sich lohnen, das Morgenbewusstsein etwas genauer anzuschauen: fromm gesagt: das Morgengebet pflegen; mit dem Volksmund gesprochen: Schauen, dass man nicht mit dem falschen Fuß aufsteht.
Das Morgenbewusstsein zu pflegen, kann heißen, die ersten Gefühle, Traumfetzen, Gedanken usw. wahrzunehmen. Vielleicht hat man einen schweren Kopf. Es kann aber auch sein, dass sich in der Nacht, im Schlaf einiges geordnet hat und eine Lösung, ein klarer Gedanke vor einem steht. Jedenfalls lohnt es sich, nicht nur die Zähne zu putzen, sondern auch die morgendliche Achtsamkeit zu kultivieren.
Den Tag schon vor dem Abend loben.
Vielleicht gilt nicht nur, „wie man sich bettet, so liegt man“, sondern auch: „Wie man aufsteht, so geht der Tag.“ Darum ist es wichtig, wie man sich darauf einstimmt. Karl Rahner schreibt einmal einen Text mit dem überraschenden Titel „Man soll den Tag schon vor dem Abend loben.“ Das ist die Umkehrung der Volksweisheit, man solle den Tag nicht vor dem Abend loben – aus der Sorge, dass doch noch etwas kurz vor dem Tagesende kommt, das den ganzen Tag verdirbt. Rahner geht davon aus, dass auch die gegenteilige Formulierung einiges für sich hat: Wenn ich schon von vornherein mit einer skeptischen oder gar negativen Einstellung dem Tag begegne, dann erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, das er tatsächlich nicht so rosig wird. Wenn ich einem Menschen – und einem Tag - mit einer positiven Einstellung begegne, dann erhöht dies Chance, dass es zu einer guten Begegnung kommt.
Man könnte also einen Tag begrüßen, als täglichen Geburtstag, als Boten Gottes und im Bewusstsein der Zusage: „Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8,28) – auch das, was uns zunächst und vielleicht lange Zeit schwer fällt und unverständlich erscheint. - „Herr öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Lob verkünde!“ Mit diesem Gebetswort wird das Stundengebet eröffnet. Man kann so auch einen Tag eröffnen. „Öffne meine Augen, öffne meine Hände, öffne mein Herz!“
Beten mit dem Terminkalender
Ein Seelsorger für Seelsorger, sagte einmal, dies habe noch am meisten von seinen Hinweisen zum Beten gegriffen: Am Morgen den Terminkalender aufschlagen und schauen, was so alles ansteht an Terminen, Begegnungen, Gesprächen, Leerstellen für Überraschungen. Und dann die Menschen, die Vorfreuden, die Probleme und den Angstschweiß dem Geist Gottes anvertrauen, der an diesem und an jedem Tag sein Schöpfungswerk fortführt. Leben in und aus der Vorsehung Gottes.
„Was sagen Sie dazu…?“
So fragt einmal der Heilige Vinzenz von Paul bei einem Vortrag und er meint damit das Morgengebet eines Gerichtspräsidenten. Dieser schaue immer morgens auf den Tag voraus, vor allem auf die Bestechungsangebote, die ihm unterwegs oder im Gerichtsgebäude gemacht würden. Und er formuliere schon die Worte, mit denen er sie ablehne. Ein Beispiel dafür, wie jemand aus dem Geist des Evangeliums sein Leben zu gestalten versucht. Der Morgen kann also auch eine kurze Erinnerung an das sein, was einem zurzeit besonders wichtig ist und woran man bei der Kultivierung des eigenen Lebens gerade arbeitet.
In welchem „Geist“ soll bzw. darf ein Morgengebet geschehen?
Willi Lambert S.J.
