- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5:
Beten konkret.- 5.1: Morgengebet.
- 5.2: Spaziergangs-Beten.
- 5.3: Abendgebet.
- 5.4:
Körper-Haltungen. - 5.5: Herz ausschütten.
- 5.6: Pausen zum Beten.
- 5.7: Stille.
- 5.8: Beten im Aufwind.
- 5.9: Der Geist in uns.
- 5.10: Seelen-Nebel-Gebet.
- 5.11: Seufzend beten.
- 5.12: "Handlicher Gott".
- 5.13: Bibel 1.
- 5.14: Bibel 2.
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Wie es mit der Haltung halten?
Von Brezeln und vom Beten
„Backwerk etwa in Form einer 8“ sagt das Lexikon – das mag als Einstieg ins Thema Gebet und Gebetshaltung etwas rätselhaft erscheinen. Die Auflösung ist einigermaßen überraschend. Laut Duden kommt das Wort Brezel vom Lateinischen „bracchium“, was Unterarm bedeutet und an verschränkte Unterarme erinnert und an - die heutige Brezel. Vermutlich habe das Gebäck ein italienischer Mönch um das Jahr 620 kreiert, der damit die Gebetshaltung mit den Armen, die vor der Brust überkreuzt werden, darstellen wollte. Vermutlich wollte er damit auch zum Beten einladen. Bei französischen Christen kann man diese Gebetshaltung zuweilen sehen. Und wer selber probehalber die „Brezel-Haltung“ ein Weilchen einnimmt, dem kann es so warm ums Herz werden wie sich eine frischgebackene Brezel anfühlt. Mehr noch: die Haltung kann Innigkeit verspüren lassen.
Beten mit Leib und Seele
Ernsthafter und grundlegender zum Thema Gebets-Haltung gesprochen: Der Mensch existiert als Leib-Seele-Geist. In diesem dreidimensionalen Raum lebt er und erlebt sich. Menschsein drückt sich also immer auch im Leib aus. Auch beim Beten.
- Kleine Kinder liegen zumeist noch im Bett, wenn die Mama oder der Papa für sie und später mit ihnen betet;
- Menschen knien anbetend vor dem großen Gottes-Geheimnis;
- bei der Priesterweihe liegen die Kandidaten als Ausdruck ganzen Hingegebenseins auf dem Boden;
- oft stehen wir in innerer Bereitschaft da;
- das Sitzen kann eine Hilfe sein, ganz zur Ruhe zu kommen und in der Gegenwart Gottes zu verweilen.
- Prozessionen, der Boom von Wallfahrten zeigen, dass auch das Gehen wie auch liturgische Tänze eine hilfreiche leibliche „Haltung in Bewegung“ sein kann.
Wie sehr innere Einstellung bzw. Befindlichkeit und äußere Haltung zusammenspielen, sieht und spürt jeder, der ein wenig aufmerksam auf sich und andere ist:
- Der geneigte Kopf, der Scheu/Scham/Schuld/Trauer ausdrücken kann;
- die Weite geöffneter Arme; die empfangsbereiten Handflächen;
- die ruhig im Schoß gefalteten Hände;
- die aufrechte hör- und handlungsbereite Person usw.
Was am besten hilft
Welche Haltung soll man einnehmen? Oft wird diese in den Gottesdiensten von der Liturgie vorgegeben. Wenn man allein für sich selber betet, kann man die Haltung suchen, die einem gerade am besten entspricht. Dies bedeutet, dass man auch ungewöhnliche Haltungen einnehmen kann, die alle eine eigene Aussage- und Wirkkraft haben:
- Man kann anlehnen an eine Wand; vielleicht, weil man müde ist auf dem Weg; vielleicht weil man eine Schulter zum Anlehnen sucht.- Man kann auf dem Boden auf dem Rücken liegen, wenn man die Einladung verspürt, sich tragen zu lassen; beim Propheten Jesaja stellt sich Gott als der vor, der uns von Mutterleib an trägt und schleppt, bis wir alt und grau werden (vgl. Kapitel Jesaja 46, 1-5).- Man kann, wenn es einem danach ist, wie ein geprügelter Hund in einer Ecke liegen oder die Bettdecke über den Kopf ziehen.Jesus stand im Jordan, ging auf Berge, um zu beten; er blickt zum Lobpreis seines „Abba“, seines Vaters nach oben; er wirft sich im Ölgarten auf den Boden; in der Kreuzigung, als er „aus freiem Willen das Leiden auf sich nahm“, wurde ihm die letzte Gebetshaltung aufgezwungen: „Vater in Deine Hände empfehle ich meinen Geist.“Haltungen ausprobierenAm besten ist es, gar nicht lange über Haltungen nachzudenken, sondern verschiedene auszuprobieren. Ganz langsam und aufmerksam: Eine Haltung einnehmen und hinspüren, was sie in mir auslöst bzw. unterstützt: Freisein, Weite, Bitte, Klage, Dank, Freude, Hingegebensein, Sehnsucht…Wer ganz in einer Haltung aufgeht, ganz in und mit seinem Leib da ist, für den kann sein Beten sogar darin bestehen, dass er nur still und wach in dieser Haltung bleibt. Dies kann eine „non-verbale“ Kommunikation sein bzw. ein wortloses, sehr leibhaftiges Gebetswort. Der Leib kann selber Gebet sein zu und in dem Gott, der „Fleisch geworden“ ist (Joh 1,14).
