- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5:
Beten konkret.- 5.1: Morgengebet.
- 5.2: Spaziergangs-Beten.
- 5.3: Abendgebet.
- 5.4: Körper-Haltungen.
- 5.5: Herz ausschütten.
- 5.6: Pausen zum Beten.
- 5.7: Stille.
- 5.8: Beten im Aufwind.
- 5.9:
Der Geist in uns. - 5.10: Seelen-Nebel-Gebet.
- 5.11: Seufzend beten.
- 5.12: "Handlicher Gott".
- 5.13: Bibel 1.
- 5.14: Bibel 2.
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Beten im Heiligen Geist
Der Geist betet in uns
Beten konfrontiert nicht selten mit der Erfahrung, dass wir nicht wissen, wie wir beten sollen. Paulus, der sicher ein „großer Beter“ war, spricht in seinem Brief an die Römer diese Erfahrung an: „Der Geist nimmt sich unserer Schwäche an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für die Heiligen ein.“ (Röm. 8, 26 f.)
Im Heiligen Geist seufzen
Dieses Wort vom „Seufzen im Heiligen Geist“ kann man ruhig so nehmen, wie es gemeint ist: Seufzen in allen Tonlagen und in allen Lautstärken, die ich mir der Umgebung wegen erlauben kann; manchmal unterm Kopfkissen, manchmal im Freien, wo niemand in der Nähe ist. Nach jedem Seufzen eine Pause lassen. Und dann wieder ein Seufzen, ein Aufatmen, einen Befreiungsseufzer, einen Ächzer. Auch wenn man sich dabei zunächst etwas komisch vorkommt. Übrigens: Wer in sehr alten Gebetsbüchern liest kann manchmal lesen: „An dieser Stelle lasse man einen Seufzer!“
Man braucht gar nicht zu wissen, was sich in diesem Seufzen ausdrückt. An einem inneren Aufatmen, an einer verspürten Erleichterung kann ich wahrnehmen, dass ich durch solches „Seufzen im Geist“ etwas Anteil an der Wahrheit bekomme, die, nach dem Wort der Heiligen Schrift, frei macht.
Wer es versucht, kann bei solchem Beten erstaunliche Entdeckungen machen: Wie vielfältig das menschliche Herz sich ausdrückt; wie sich dies im Verlauf von 5 Minuten oder auch einer halben Stunde ändern kann. Ja, wie die Moll-Tonart des Seufzens, in eine Dur-Tonart der Freude übergehen kann. Paulus kennt nicht nur das Seufzen, sondern auch die Freude und den Jubel des Geistes. Aus dem Seufzen kann dann ein „Aufjauchzen im Geist“ werden.
Das Straßenkantel-Gebet
Wer bei Regen auf dem Bürgersteig geht, kann für sich folgendes beobachten: Immer wenn ich an einem Kanaldeckel vorbeikomme, höre ich das Wasser kräftig rauschen. Mit jedem Schritt, mit dem ich mich entferne, wird das Rauschen leiser. Bis es sich ganz verliert oder nur noch im Ohr nachklingt. Ich lauschte dann auf das Nicht-Geräusch. Und dann, langsam, langsam, je mehr ich mich wieder dem nächsten Schacht bzw. Kanaldeckel nähere, nimmt das Rauschen wieder zu. - Dies kann zum Bild dienen: In uns rauscht der Strom des Gebetes, manchmal laut, manchmal sehr leise. Wie können wir darauf hören? Auf sein Murmeln, seine Stille, sein Strömen in uns – vielleicht unter viel Asphalt. Wir lauschen dabei jenem Strom in uns, auf den Jesus die Samariterin am Jakobusbrunnen aufmerksam macht. Sie ist durstig nach Beziehung und nach Gott ist. Jesus sagt zu ihr – und wohl auch zu mir: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ (Johannes 4, 14)
Das ABC-Gebet
Paulus war sicher einer der großen Beter. Er spricht von Entrückungen und mystischen Erlebnissen, bei denen er selber nicht weiß, ob er im dritten oder siebten Himmel war. Und doch erlebt er sich doch immer auch als ABC-Schützen, als Schüler in der Schule des Heiligen Geistes, der in uns, wie Paulus einmal schreibt mit „unworthaften Worten betet.“ – Eine Geschichte auf einem Kalenderblatt zeigt, wie phantasievoll ein Kind – zum Erstaunen der Eltern – mit dieser Sprechschwäche umging: Am Abend hörten sie, wie ihr Kind im Bett das Alphabet sprach: „A,B,C,D,E… Die Eltern fragten: „Was bedeutet denn das?“. – „Ich bete.“ – „Wie, du betest?!“ – „Ja. Ich weiß heute Abend gar nicht, was ich Gott sagen soll. Und da sage ich ihm einfach das ABC auf und dann soll er daraus die Worte auswählen, die passen. Er weiß ja genau, was war!“ – Ist dies nicht eine phantasievolle und im wahren Sinn des Wortes GEIST-volle Weise zu beten?
Willi Lambert S.J.
