- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5:
Beten konkret.- 5.1: Morgengebet.
- 5.2: Spaziergangs-Beten.
- 5.3: Abendgebet.
- 5.4: Körper-Haltungen.
- 5.5: Herz ausschütten.
- 5.6: Pausen zum Beten.
- 5.7: Stille.
- 5.8: Beten im Aufwind.
- 5.9: Der Geist in uns.
- 5.10: Seelen-Nebel-Gebet.
- 5.11: Seufzend beten.
- 5.12: "Handlicher Gott".
- 5.13: Bibel 1.
- 5.14:
Bibel 2.
- 6: Ignatianisch beten.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
In Gottes Wort bleiben
Im Johannesevangelium werden wir eingeladen, in Gottes Wort, im Wort Jesu zu bleiben. Im Wort bleiben heißt, in geistigem Kontakt mit dem sein, der es spricht, ja der selber Gottes Wort ist, Jesus Christus. Von dieser Sicht her ist es verständlich, dass die Heilige Schrift, dass die Schriftbetrachtung, die Meditation mit der Heiligen Schrift, immer schon für gläubige Menschen Nahrung und Raum für ihr Beten war. Dieses Wort wurde als „Geist und Leben“, als „Licht auf unserm Weg“ erfahren. Es gibt Orientierung und zeigt uns im Blick auf Jesus, wer und wie Gott ist. Insofern die Heilige Schrift dazu hilft, Kontakt mit Gott zu finden, ist sie eine Urquelle für das Gebet.
Vom Überlesen zum Lesen
Es mag fast primitiv klingen, aber der erste und einfachste Weg zum Umgang mit der Schrift ist: Lies, wenn Du liest. Man über-liest oft so viel, wenn man liest. Zum achtsamen Lesen kann Verschiedenes helfen:
Zunächst natürlich, dass man den Text langsam und aufmerksam liest. Man kann einen Text auch mehrmals, zwei, drei, zehnmal lesen. Dieses Lesen entfaltet von selber eine Tiefen-Wirkung.
Die Aufmerksamkeit und Langsamkeit kann dadurch unterstützt werden, dass man immer das nächste kommende Wort (bzw. die kommenden Worte) mit der Hand abdeckt und rät: was kommt denn als nächstes Wort? Man kann sich manchmal nicht vor Überraschungen retten. Es ist, wie wenn man einen gewohnten Weg, den man immer im Schnelltempo oder im normalen Fußgängertempo gegangen ist, einmal im „Schneckentempo“ geht. Es bringt oft erstaunliche Entdeckungen.
Mit dem Herzen lernen
Eine weitere einfache Weise, das geschriebene Wort ernst zu nehmen ist, es auswendig zu lernen. Da wird man natürlich normalerweise nicht gleich einen größeren Evangelientext nehmen können, aber vielleicht den Abschnitt, der einem beim langsamen Lesen am wichtigsten geworden ist. Auf diese Weise kann das Wort wirklich „verinnerlicht“ werden. „To learn by heart“ sagen die Engländer für das Auswendiglernen. Ein großer Vorteil, wenn man einen Text oder einige Verse auswendig bzw. innwenig d.h. mit dem Herzen lernt, ist, dass man das Wort mit sich herumträgt. Dass es einem untertags immer wieder einmal einfallen kann. Es kann helfen das Erleben des Tages zu deuten. Und auch umgekehrt: Was wir erleben kann helfen, die Wirklichkeit des Wortes tiefer zu verstehen.
Wort und Antwort
Durch das achtsame Lesen kann einem das Wort zu Herzen gehen. Dann kann es zur Ant-Wort werden, zum Beten. Zu ihm gehört beides: Das Hören auf Gottes Wort und die Antwort. Was mich anspricht, berührt, vielleicht auch ängstigt und fragen lässt – das gilt es nach dem Lesen zum inneren Beten werden lassen: Zum Staunen, zum Bitten, zum Danken, zum Fragen. „Ich will Dir folgen, wohin Du willst!“; „Herr, hilf mir!“, „Du bist Gottes Sohn“; „Meister, wo wohnst Du!“; - dies sind Antworten auf die Begegnung mit den Worten und mit Jesus als dem Wort Gottes. – Was sind meine Ant-Worte?
Die zwei Brillengläser: Demut und Liebe
Wenn vom Umgang mit der Heiligen Schrift gesprochen wird, muss man ehrlicherweise sagen, dass die Heilige Schrift nicht immer einfach ist. Darum seien für das Gebet mit der Bibel sozusagen zwei „Brillengläser“ genannt, die das geistliche Lesen und Verstehen erleichtern können.
• Lies und bete im Geist der Demut. - Man muss gar nicht alles verstehen! Auch die Jünger haben das nicht – zum Leidwesen Jesu, der fragt: „Versteht ihr immer noch nicht?!“ – Bruder Roger Schutz von Taize hat eine einfach Regel gegeben: „Lebe das vom Evangelium, was du verstanden hast“; - dann wird sich schon Neues zeigen, darf man hinzufügen. – Der englische Schriftsteller Mark Twain sagte einmal: „Mir machen nicht die Stellen in der Heiligen Schrift Bauchweh, die ich nicht verstehe, sondern jene, die ich verstehe.“
• Lies und bete im Geist der Liebe! – Der Heilige Augustinus schreibt einmal: „Wer aus der Heiligen Schrift eine solche Ansicht zieht, die zur Auferbauung der Liebe dient, der ist nicht in …Täuschung befangen…auch wenn er etwas anderes sagt, als der Schriftsteller den er liest an dieser Stelle nachweisbar gedacht hat.“ Entscheidend ist also: Verstehe ich die Schrift so, dass ich spüre, dass sie in mir Glauben, Hoffen und Lieben auferbaut und so Nahrung für mein Beten wird.