- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5: Beten konkret.
- 6:
Ignatianisch beten.- 6.1: Liebende Aufmerksamkeit.
- 6.2: Schriftmeditation.
- 6.3:
Stoßgebete. - 6.4: Am Abgrund.
- 6.5: Tagesstruktur.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Belauschte Stoßgebete
Beim Beten belauscht
Jemanden beim Beten zu belauschen, gehört wohl zu den größten Indiskretionen. Jedenfalls dann, wenn es nicht ein gemeinsames Beten ist oder das Vorbeten in der Liturgie. Auch in charismatischen Gemeinschaften, in denen freies Beten üblich ist, ist es nicht indiskret, wenn man das Beten von anderen mitbekommt oder jemandem betend die Hände auflegt.
Verzeihlich ist ein Belauschen beim Gebet wohl auch, wenn ein Junge aus Neugier die nächtlichen Beschäftigungen eines interessanten Gastes in Erfahrung zu bringen sucht. Und eben dies ist Ignatius passiert.
Inés Pascal – Ignatius nannte sie „Mutter“ - hatte Ignatius bei sich in Barcelona aufgenommen. Er teilte das Schlafzimmer mit ihrem Sohn Juan. Wenn es für diesen Zeit zum Schlafen war, sagte Ignatius zu dem Jungen: „Juan, leg dich schlafen, ich muss noch etwas erledigen.“ Das musste natürlich die Phantasie eines Buben beflügeln. Und was sah er? Dass die „Erledigung“ des Gastes darin bestand, noch lange Stunden auf den Knien zu beten. Manchmal hörte er auch Seufzer und kurze Gebetsworte. Das hat er erzählt, als Jahrzehnte später Zeugnisse für die Heiligsprechung des Ignatius gesammelt wurden.
Stoßseufzer
Ein Notschrei-Gebet ist aus der Phase bekannt, in der Ignatius von Selbstmordgedanken gequält wurde: „Herr, ich werde nichts tun, was dich beleidigt!“. Der junge Jordan berichtet als Frucht seiner Belauschung das Gebetswort: „Mein Gott, wenn dich die Menschen kennen würden!“
Wie viel liegt in diesem Wort? Was muss Ignatius für eine Beziehung zu Gott und den Menschen gehabt haben?! Zu Gott, weil es offensichtlich die höchste Beglückung für ihn war, in innerer Nähe und im Einssein des Liebens mit Gott leben zu können. Und welche Beziehung zu den Menschen, denen er nichts Höheres als eben dies wünschen kann. Sammlung in Gott und Sendung zu den Menschen gehören für ihn unmittelbar zusammen.
Ein anderes Stoßgebet zeigt, wie er die Güte Gottes durch das Geschenk der Versöhnung erfuhr: „Mein Gott, wie unendlich gut bist Du, dass Du sogar einen Sünder wie mich erträgst!“ Von Bruno dem Karthäuser ist das Wort bekannt „O bonitas, o bonitas“ – „O Gutheit/Güte, o Güte“. Ignatius drückt in diesem Wort das unendliche Gutsein Gottes aus, weil er sich mit all seinen Grenzen, Fehlern, Hindernissen und seiner Liebesarmut von Gott angenommen weiß.
Ein letztes Stoßgebet ist aus der Nacht seines Sterbens überliefert. Es war niemand direkt bei ihm, aber der Krankenbruder im Zimmer nebenan hörte die Worte: „Ay Dios. Ay Jesus!“ „O Gott, O Jesus“. Wenn es stimmt, dass der Ton die Musik macht, welcher Tonlage in diesen Worten, in diesem Ay: War es ein Ausdruck von Schmerz und Schwäche und Seufzen: „Ach!!“ War es ein staunend-leiser Jubeln: „Ah!“. Beides schwingt im spanischen Wortlaut mit.
Willi Lambert S.J.
