- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5: Beten konkret.
- 6:
Ignatianisch beten.- 6.1: Liebende Aufmerksamkeit.
- 6.2:
Schriftmeditation. - 6.3: Stoßgebete.
- 6.4: Am Abgrund.
- 6.5: Tagesstruktur.
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Ein Ort für das Wort
Jetzt habe ich Zeit und nehme sie mir - für Dich und für mich. Jetzt ist mir Zeit gegeben für dein Wort, das Licht und Leben schenkt.
Möge ich tiefer erkennen und verspüren, was Du mir sagen willst und wie Du mir begegnen möchtest.
Möge Dein Wort wie ein Korn in den Acker meines Herzens fallen. Möge es keimen und Frucht bringen zu seiner Zeit und in meinem Leben.
Und möge Dein Wort einen Ort in mir finden und eine immer wachsende, liebende Antwort.
Amen
Die Meditation biblischer Texte nach Ignatius von Loyola
Weg und Ziel
Meditieren geschieht oft spontan:
• Wenn eine werdende Mutter innerlich bei ihrem Kind ist;
• wenn zwischen zwei Menschen ein tiefes Gespräch und Verstehen geschieht;
• wenn man sich auf wesentliche Fragen seines Lebens einlässt;
• wenn jemand in staunendem Schweigen in der Natur verweilt;
• wenn ein Wort der heiligen Schrift Herz und Geist berührt usw. -
In einer bewussten Zeit des Betens und Meditierens geschieht genau dies nur mit einem größeren Stilbewusstsein und mit mehr Zeit.
Ziel alles Meditierens ist für Ignatius, sich „von Gott in Liebe umarmen zu lassen“, so im Exerzitienbuch (EB)Nr. 15; sich Gott „zu nähern und zu ihm zu kommen“ (EB Nr. 20); sein Leben zu gestalten und zu ordnen in Kontakt mit dem Liebeswillen Gottes (vgl. EB 22 f.).
Für alle Schriftmeditationen kann – in leichten Abwandlungen je nach Text bzw. innerer Situation - seine Bitte gelten: „Innere Erkenntnis des Herrn erbitten, der für mich Mensch geworden ist, damit ich ihn mehr liebe und ihm nachfolge.“ (EB Nr. 104).
Ein wenig mit den Worten „Ort, Verortung, Wort, Vor-Wort“ usw. spielend kann die Schrittfolge des Gebetsweges beim Meditieren der Heiligen Schrift etwa folgendermaßen beschrieben werden:
Das Vor-Wort – die entfernte Vorbereitung
Man wählt einen „Stoff“, d.h. einen Text aus der Bibel aus; vielleicht schon am Abend zuvor: Man liest die Stelle und nimmt die Worte und Bilder in den Schlaf mit. Am Morgen beim Aufwachen kann man nochmals innerlich die Stelle wachrufen.
Der Ort – die Einstimmung
Man wählt bewusst einen gleich bleibenden Ort in einem Zimmer, eine einfach gestaltete Meditationsecke aus. Vor diesem Platz stehend oder gehend soll eine Bewusstseinserweiterung geschehen: Vielleicht ein Blick durchs Fenster, eine Positionierung im Universum – vor dem Gott, in dem „wir leben uns bewegen und sind“. (Apg 17, 28)
Und natürlich dann die Positionierung auf dem Stuhl, dem Hocker und in der Haltung, die einem gerade hilfreich ist: Sitzen, Knien, Stehen, Liegen – je nachdem, was mehr hilft. (vgl. EB Nr. 76)
Die fundamentale Verortung – das „allgemeine Vorbereitungsgebet“
Die geistige Verortung geschieht für Ignatius durch sein immer gleich bleibendes „allgemeines Vorbereitungsgebet“: „Herr, mein Gott, gib, dass all meine Absichten, Handlungen und Betätigungen rein auf den Dienst und Lobpreis deiner göttlichen Majestät hingerichtet seien.“ (vgl. EB Nr. 46). Hier spricht man – vielleicht in einer eigens gefundenen Formulierung - die Ur-Sehnsucht der eigenen religiösen Lebensdynamik aus.
Das Wort – die Hinführung zum Text
Die erste Annäherung an das Wort des Evangeliums geschieht durch langsames, aufmerksames Lesen, Wort für Wort. Schon dies kann viele Entdeckungen bringen.
Danach geschieht ein „Aufbau des Schauplatzes“, bei dem man sich die Szenerie des Textes, sozusagen die Kulissen möglichst direkt und sinnenhaft, mit allen Sinnen, zu vergegenwärtigen sucht.
Bevor es dann richtig „losgeht“, lässt Ignatius den Betenden seine Sehnsucht für diese spezielle Gebetszeit ausdrücken. Er glaubt an die Kraft von Herzenswünschen.
Textwirklichkeit – Lebendige Begegnung
Hier geht es um die lebendige Begegnung mit dem Text bzw. mit der Wirklichkeit, die sich darin zeigen möchte bzw. die ich darin suche. Dabei hilft es, die handelnden Personen und die Dramatik und Richtung des Geschehens möglichst lebhaft wahrzunehmen, sich hineinzuleben. Vielleicht so, wie wenn man Regisseur der ganzen Szene wäre und selber eine Rolle übernehmen dürfte.
Man kann auch zur Verlebendigung der Begegnung den Text in der Ich-Du-Form lesen bzw. durchleben: “Und da kamst Du, Jesus, und sahst hinauf zu dem Baum, auf dem ich saß usw.“ Manchmal hilft es, die Haltung, die Geste einer der handelnden Personen einzunehmen, etwa der Frau, die Jesus die Füße beweint oder die Haltung von Petrus, der sich von Jesus die Füße waschen lassen muss, um Gemeinschaft mit ihm haben zu können.
Was durch solche Verlebendigung geweckt wird, dem soll man dann längere Aufmerksamkeit widmen; sei es dem, was mich sehr anspricht oder auch zum Widerspruch reizt.
Martin Luther sagt einmal, man solle einen Text an Christus schlagen wie eine Nuss an einen Stein, bis sie ihr nährendes Inneres freigibt. Weil es auch harte Nüsse gibt - „Herr, diese Worte sind hart, wer kann sie hören?“ -, empfiehlt Ignatius zur Vertiefung wiederholte Betrachtungen derselben Stelle.
Das Selbst-Gespräch
„Sich auf sich selbst zurückbesinnen“, „Was bedeutet dies für mein Leben?“ – Diese Formulierungen im Exerzitienbuch laden ein, nicht nur den biblischen Text auf sich wirken zu lassen, sondern „eine Frucht zu pflücken“, d.h. sich zu fragen: Welche Bedeutung hat die Meditation für mein Selbstverständnis, für mein konkretes alltägliches Leben und Lieben?
Das Zwiegespräch
Gegen Schluss der Gebetszeit lädt Ignatius zu einem Zwiegespräch ein: Mit Gott, mit Christus, mit Maria – mit Personen der meditierten Geschichte. Dies gibt den inneren Bewegungen noch einmal eine neue Intensivierung und Ausrichtung. – So ähnlich wie wenn man für sich allein etwas bedacht hat und dies sich dann anders zeigen kann, wenn man mit verschiedenen Personen darüber ins Gespräch kommt. – Wie antwortet Gott in diesem Zwiegespräch? Gottes Sprache ist die Wirklichkeit selber; Gottes Sprache ist die Stille; und Gott kommt in meinen eigenen Gedanken und Empfindungen zu Wort. Und manchmal wird er als unmittelbar gegenwärtig erfahren.
Das Schluss-Wort
Den Abschluss kann ein vertrautes Gebetswort wie das Vaterunser, eine Verneigung, ein Kreuzzeichen u.ä. bilden. Dabei überlässt man sich dem großen Strom des Betens der Kirche von der biblischen Zeit bis in die Gegenwart hinein. Das Ich betet im Raum des Wir.
Das Nach-Wort – Rückblick und Auswertung
Nach dem Abschluss der Gebetszeit lässt Ignatius noch einige Minuten auf die Gebetszeit zurückblicken: Wie war die Meditationszeit? Was fällt mir auf? Was klingt nach? Was möchte ich mir mit einigen Stichworten notieren, damit es besser nachwirkt? Was möchte ich, dass es weitergeht in meinem Leben?
Aus dem Tritt geraten?
Bei so vielen Schritten und Schrittchen kann man wie ein Tausendfüssler, der zu bewusst seine Füße koordinieren will, aus dem Tritt geraten. Darum ist es wichtig, zu sehen: Sinn der Schriftmeditation ist nur die möglichst lebendige Begegnung mit sich selber, mit Gottes Geist und mit Jesus Christus und seinem Evangelium. Da soll und wird ein eigener Still wachsen. Und dabei gilt: „Was Dir je mehr hilft, darauf lass dich ein!“ Vor allem aber, so Ignatius in einem seiner Briefe: „Man soll sich auf die Weise des Betens einlassen, bei der sich einem Gott am meisten mitteilt.“