- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: Mit Kindern beten.
- 4: Über das Beten.
- 5: Beten konkret.
- 6:
Ignatianisch beten.- 6.1:
Liebende Aufmerksamkeit. - 6.2: Schriftmeditation.
- 6.3: Stoßgebete.
- 6.4: Am Abgrund.
- 6.5: Tagesstruktur.
- 6.1:
- 7: Schönstatt.
- 8: Gebetsapostolat.
- 9: Beten Postmoderne.
- 10: Mechthild von Magdeburg.
- 11: Gebete.
- 12: Gebetskarte.
Wie gut,
in Deinen Augen kostbar zu sein
und in Dir, dem Leben meines Lebens,
leben zu dürfen…
Wie gut,
innezuhalten und da zu sein
und in Deiner Gegenwart zu verweilen…
Wie gut,
dass Du uns „Leben und Atem und alles“ gibst
und wir staunend und dankend leben können…
Wie gut,
mit all meinen Grenzen von Dir umfangen zu sein
und bittend mich von meiner Sehnsucht leiten zu lassen…
Wie gut,
offenen Auges meine Wirklichkeit zu sehen,
sie von Dir anschauen zu lassen
und wahr und frei zu werden…
Wie gut,
so wie ich bin, von Dir angenommen zu werden
und versöhnt neue Lebensmöglichkeiten zu entdecken…
Wie gut,
immer neu meinen Alltag liebend gestalten zu dürfen
und Dich in allem und alles in Dir
zu suchen und zu finden…
Amen
Liebende Aufmerksamkeit
Bewusst und in Beziehung leben
Die Berichte von Menschen, die monatelang oder noch länger im „Koma“ gelegen haben, also in der Bewusstlosigkeit, sind zumeist erschütternd oder auch bewegend, wenn man sieht, wie jemand in liebendem Nahesein auf Genesung hofft. Bedrückend wirkt auch wenn Menschen – immer mehr auch junge Menschen – sich ins Koma saufen, „zudröhnen“ „zubaggern“. Die Betroffenheit kommt daher, dass man Leben mit Wachheit, Aufmerksamkeit und mit In-Beziehung-Sein verbindet. Krank ist, wer den Blick und Durchblick verliert, wer nicht in Beziehung mit sich selber, mit seiner eigenen Wirklichkeit, seinen Gefühlen, seiner Geschichte treten kann. Krank bzw. „gestört“ ist auch, wer nicht mit andern in Beziehung treten kann.
Gewissenserforschung - die wichtigste Viertelstunde
Ignatius hat eine geistliche Übung gekannt, entwickelt und gefördert, die von Wachheit und Beziehung ausgeht und diese fördern möchte. In der spirituellen Sprache heißt sie „Gewissenserforschung“. Zumeist wird dieser Vorgang in Verbindung mit der Beichte gebracht und mit der Frage, was man falsch gemacht habe. Ignatius fasst die Gewissenserforschung weiter, umfassender, allgemeiner – darum spricht er auch von der „Allgemeinen Weise der Gewissenserforschung“. Für ihn war diese Weise der geistlichen Übung elementar wichtig. Es gibt von ihm die Aussage, wenn man auch alle anderen Weisen des Betens lassen müsse, man solle wenigstens am Tag eine Viertelstunde für die Pflege des wachen Bewusstseins verwenden.
Das Gebet der liebenden Aufmerksamkeit
Diese geistliche Übung ist in den letzten Jahren wieder neu entdeckt und entwickelt worden. Eine Reihe von Namen zeigt, was darin alles gemeint ist und geschehen kann:
• Spirituelle Bewusstseinserweiterung will ermutigen, die Wahrnehmung der Wirklichkeit nach außen und nach Innen und auf Gott hin wachsend auszuweiten.
• Der Tagesrückblick ist der natürliche Vorgang gemeint, dass man zurückschaut – auf eine erledigte Aufgabe, einen Wanderweg zurückschaut und eben auch auf das Erleben eines Tages.
• Tagesauswertung will ausdrücken, was Paulus sagt: „Prüfe alles, das Gute behalte!“
• Der Ausdruck Innehalten betont, dass es gut ist, nicht nur zu rennen, sondern eine Pause zu machen, Ruhe und neue Orientierung zu suchen.
• Dem Ausdruck Gewissenserforschung haftet die ausdrücklich religiöse Bedeutung an: Sein Leben unter den liebenden Augen Gottes anzuschauen bzw. sich von ihm anschauen zu lassen: „Du kennst mich, Herr!“ Im Psalm 139 kommt diese Sicht in einer starken Weise zum Ausdruck.
• Im Gebet der Aufmerksamkeit wird vor allem durch die Kennzeichnung „liebende Aufmerksamkeit“ ausgedrückt, dass es um ein liebendes Wahrnehmen des Lebens geht. Also um eine Achtsamkeit, die mit Achtung verbunden ist.
Vom Leben LEBEN lernen
Es gibt einen alten Stich, auf dem auf jedem Finger einer Hand die Schritte der „allgemeinen Gewissenserforschung“ als Gedächtnishilfe geschrieben sind. In diesem Sinn sollen folgenden Kennzeichnungen eine Gedächtnishilfe für die Grundschritte, denen das „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ folgt:
• Innehalten
Nimm Dir ein paar Minuten Zeit; über die „Kunst der Unterbrechung“; mach mal Pause; gönne Dir etwas Ruhe
• Geistesgegenwärtigkeit
Werde „geistesgegenwärtig“ auf den Gott hin, „in dem wir leben, uns bewegen und sind“ (Apg 17…)
Gott, Dein Name ist „Ich bin der, der Da ist“ – laß mich da sein und „öffne die Augen meines Herzens“ für mein Leben im Verlauf des heutigen Tages.
• Tagesschau
Lass auf den Bildschirm Deines Bewusstseins kommen, was spontan an Regungen, Ereignissen, Gedanken, Empfindungen… kommt,
und schaue dann noch einmal im Sinn einer persönlichen „Tagesschau“ genauer nach, was der Tag Dir gebracht hat
• Dankbarkeit
Bleibe bei dem, was in Dir Dank weckt! – Wir besitzen nur das, wofür wir danken können. Wer nicht danken kann, ist „arm dran“.
• Umorientierung
Versuche zu spüren, wo eine Neuorientierung sich meldet. Wir machen Fehler. Sie sind da, um aus ihnen zu lernen. Darin liegt ihr Zukunftspotenzial.
Die „schöpferische Tugend der Reue“ (M. Scheeler), die Kraft der Sehnsucht und
und die Dynamik der Liebe führen zu Umorientierung, zu Neuwerdung und Wachsen.
• Lebensvertrauen
“Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“ (nach A. Delp SJ). Aus diesem Urvertrauen, aus dieser Hoffnung dürfen wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft leben.
Wir können alles Leben aus dem Lebens-Gebet, das Jesus uns anvertraut hat, leben: „Vater unser…“
Willi Lambert SJ
