- 1: Wochenimpuls.
- 2: Foto-Impuls.
- 3: 2013 Materialien.
- 4: Mit Kindern beten.
- 5: Über das Beten.
- 6: Beten konkret.
- 7: Ignatianisch beten.
- 8: Schönstatt.
- 9: Gebetsapostolat.
- 10:
Beten Postmoderne. - 11: Mechthild von Magdeburg.
- 12: Gebete.
- 13: Gebetskarte.
Das Gebetsapostolat in der Postmoderne
Dem Gebetsapostolat geht es um das missionarische Beten - das ist eine aktive Teilnahme an dem Missionsauftrag der Kirche. Ich bleibe da, wo ich bin, wo ich meinen Lebensauftrag erfülle und stelle das in einen größeren Rahmen. Ich bete für das Kommen des Reiches Gottes. Mein Leben gewinnt damit eine größere Dimension, eine größere Sinntiefe, denn ich schließe mich der Gesinnung Jesu an. Indem ich mein Leben auf Gott hinordne, setze ich mein Leben für das große Ziel der Weltgeschichte ein, das Reich der Gerechtigkeit und des Friedens ein. Das ist die Idee des Gebetsapostolats. Für andere beten – das stößt in der Postmoderne allerdings auf ganz andere Ohren als in der Gründungsphase des Gebetsapostolates in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Warum findet diese Initiative heute nicht mehr die Resonanz wie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts? Um dieser Frage näher zu kommen, ist zuerst ein Blick in die Mitte des 19. Jahrhunderts sinnvoll.
Was hat das Gebetsapostolat zu einer erfolgreichen Idee in fast allen Ländern gemacht?
Es gab eine Gebetskultur. Das Gebetsapostolat hat dem Beten ein neues Ziel gegeben, nämlich sich betend an dem missionarischen Aufbruch der Kirche zu beteiligen.
Das Gebetsapostolat, obwohl in einem Ausbildungshaus der Jesuiten entstanden, war eine Laienbewegung. Jeder Christ konnte, ohne einem Orden beitreten zu müssen, sich durch das tägliche Gebet missionarisch engagieren. Ein Zweites: Das Gebetsapostolat ließ sich leicht in den Tag integrieren. Man konnte seinen Aufgaben nachgehen, stellte aber den Tag in den Dienst des Reiches Gottes. Das Gebetsapostolat gab und gibt dem Tag eine Ausrichtung: Ich stelle meine innere Gesinnung wie auch die kleinen Tätigkeiten des Alltags in den missionarischen Dienst der Ausbreitung des Reiches Gottes.
Als Laienbewegung mit einem einfachen Grundgedanken hatte das Gebetsapostolat Teil an dem missionarischen Aufbruch der Kirche und wurde in den Zeiten des Kulturkampfes eine innere Stütze der katholischen Kirche in Deutschland.
Einige Daten und Zahlen:
Das Gründungsdatum des Gebetsapostolates ist der 3.Dezember 1844. Der Bischof von Le Puy, in dessen Diözese das Ausbildungshaus der Jesuiten lag, bestätigte zuerst die Initiative, 1849 schon bestätigte Papst Pius IX. die Initiative. Eine neue Bestätigung erfolgte 1878 unter Papst Leo XIII., unter ihm wurde aus dem Apostolat des Gebets das Gebetsapostolat des Papstes, seit 1887 werden die monatlichen Gebetsmeinungen vom Papst persönlich unterschrieben, 1925 wurde die zweite monatliche Fürbitte für die Mission hinzugefügt.
1884 gibt es 35.606 lokale Zentren und Gruppen mit 13 Millionen Mitgliedern. 1925 bestehen weltweit 90.000 Gruppen des Gebetsapostolates, 1939 wird eine Zahl von 30 Millionen Mitgliedern des Gebetsapostolates genannt.
Die postmoderne Situation
Die Menschen kommen orientierungslos aus der Moderne. Die Umweltproblematik und die Arbeitslosigkeit stellen den Erfolg des Projektes der Moderne in Frage. Auch die Marktwirtschaft bietet keine Aussicht auf Verbesserung mehr, seit die Banken ihre Fundamente erschüttert haben.
Aus der Moderne bringen die Menschen aber die Skepsis gegen die Religion mit. Der Mensch ist autonom, er nimmt sein Leben selbst in die Hand. Beten ist etwas für schwache Charaktere. Wer betet, erkennt eine höhere Instanz an, die mit Geboten und über ihren Arm, die Kirche, in das Leben hineinregieren will. Beten wird auf keinen Fall als eine Weiterentwicklung zu einer größeren Freiheit und einem tieferen Verständnis der eigenen Lebens- und Weltdeutung gesehen, sondern wird als Regression, Steckenbleiben in einer kindlichen Gläubigkeit verstanden. Die Beter sind eine belächelte Minderheit geworden. Die Mehrheit der Gesellschaft hat in ihrem Freundes- und Kollegenkreis Argumentationsmuster aufgebaut, mit der sie ihre Weltsicht absichert und verhindert, dass die Frage nach etwas „über dem Menschen“ gestellt werden könnte. Da die Beter eine Minderheit sind, erzählen sie nichts von ihrer religiösen Praxis, um nicht lächerlich gemacht zu werden. Es braucht schon viel Selbstbewusstsein und gute Argumente, wenn man sich als religiöser Mensch „outet“. Oft geht man mit dem Gefühl aus Diskussionen, für antiquiert gehalten zu werden. Das hat zur Folge, dass das Gebet „privat“ bleibt. Auch viele aktive Mitglieder in den Pfarreien wie auch Hauptamtliche sind von dieser Marginalisierung des Religiösen innerlich betroffen.
Allerdings gibt diese Beschreibung nur die vorherrschende Einstellung der Mehrheit der Bevölkerung wieder. Für die Jüngeren ist Religion ein interessantes Phänomen, dem man sich mit weniger Vorbehalten nähert. Unglücksfälle und Amokläufe von Schülern sind Anlass für öffentliches Gebet.
Wenn das Gebetsapostolat diese Befindlichkeit des größeren Teils der Gesellschaft aktiv aufgreift, dann muss für das Beten ein neuer Zugang gefunden werden, der anders gebahnt werden muss als in der Gründungsphase:
- Das Beten öffentlich machen
Wenn die Beter in der Gesellschaft eine Randexistenz führen, dann brauchen sie Solidarität untereinander und Unterstützung in den Medien. - Die Motivation für das Beten, die bisher der Argumentation des Gebetsapostolates zu Grunde lag, muss anders eingeordnet werden.
Viele ältere Menschen in der Kirche, die eine Gebetspraxis pflegen, sind durch eine direkte Anknüpfung an biblischen Aussagen motiviert worden. Das Gebetsapostolat hat die Motivation durch die Herz-Jesu-Verehrung und die eucharistische Frömmigkeit vermittelt. Die Orientierung am Beispiel Jesu hat die Beter auch tatsächlich motiviert, sich der Lebenshingabe Jesu anzuschließen. Es ist deutlich, dass diese Motivation nicht bei denen andocken kann, die sich als autonome moderne Menschen verstehen. - Die Freiheit zum Thema machen
Das zentrale Thema der Moderne ist die Freiheit, die zu vielen Emanzipationsbewegungen geführt hat. Das Individuum soll selbst entscheiden können und nicht „bevormundet“ werden. Der autonome Mensch ist das Selbstbild des modernen Individuums. Die Herausforderung besteht, nicht nur für das Gebetsapostolat darin, Beten als ein Mehr modern verstandener Autonomie, nämlich als Freiheitspraxis zu verdeutlichen. Das kann über den Gedanken der Berufung geschehen. Die Argumentation wird hier kurz vorgestellt. Sie wird demnächst in einem eigenen Gebetskurs vermittelt:
- Der Mensch ist in seinem Fingerabdruck, seiner Iris und damit auch in seiner
Person einmalig.
- Um die Einmaligkeit des Lebens geht es der Freiheit.
- Freiheit heißt also nicht, zwischen möglichst vielen Handys, Modeaccessoires
auszuwählen, sondern Berufung zur Einmaligkeit.
- Die Einmaligkeit leitet sich nicht aus dem Zufall der Evolution ab. Denn der Zufall
generiert nur Verschiedenheit.
- Wenn weder die Eltern noch die Gesellschaft mir Freiheit und Einmaligkeit
geschenkt haben können, dann muss ich mich mit dem in Kommunikation treten,
der mich frei und einmalig will. s. Psalm 139
Beten heißt also, mich meiner Freiheit zu versichern, die Einmaligkeit meines Lebens in meiner Berufung zu entdecken und die Kraft zu finden, ein einmaliges Leben durchzuhalten. - Freiheit nur mit anderen
Meine Freiheit ruft mich in meine Einmaligkeit. Ich soll mit meinem Lebensentwurf nicht scheitern. Daran hat Gott ein Interesse. Ich finde bei ihm die Kraft und auch die neue Chance, wenn ich von meinem Weg abgekommen oder sogar schuldig geworden bin. Meine Freiheit kann aber nicht wirklich frei werden, wenn die der anderen beschränkt, niedergehalten wird. Nur wenn die anderen ihren Lebensweg in Freiheit gehen können, gelingt auch mein Leben. Gerade der Ruf in die Einmaligkeit isoliert mich nicht von den anderen, macht mich nicht zum Individualisten, sondern lässt mich die andere einbeziehen. Hier schließt sich die Grundmotivation des Gebetsapostolates an: Gott will nicht nur meine Geschichte, sondern die aller Menschen zu einem guten Ende führen. Das will er nicht „über unsere Köpfe hinweg“, sondern mit uns.
Ergebnisse der Mitgliederversammlung des Vereins zur Förderung des Gebetsapostolates im September 2009